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Reine Strategieberater sind tot. Es lebe die Strategieberatung!

Die Umsätze in der Managementberatung und Organisationsberatung stagnieren. Ist die reine Strategieberatung tot? Die Kunden der Strategieberater sind heute kompetenter und kritischer. Die gesamte Beratungsbranche steckt in einem tief greifenden Wandel, in dem reine Strategieberater inmitten einer nicht enden wollenden Flaute stecken. Denn ihre Kunden legen heute weniger Wert auf die reine Strategieberatung, sondern mehr Wert auf die Umsetzungskompetenz von Beratern. Kunden suchen neben der Kompetenz inzwischen verstärkt Strategieberater die bereit sind, das Empfohlene auch tatsächlich erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Beratungsprojekte rücken immer näher an das Kerngeschäft der Kunden heran und die Entscheider achten zunehmend darauf, dass das aufgebaute Wissen im Haus bleibt.

Aktueller Stand und Tendenzen der Beratungsbranche

Betrachtet man die Beratungsbranche als Ganzes erkennt man eine enorme Dynamik: Auf Kundenseite sitzen heute häufig kompetente Einkäufer und kritische Ex-Berater, eine echte Herausforderung für die Anbieter von Strategieberatung. Die Bereitschaft, die Ausbildung unerfahrener Berater durch bezahlte Projektarbeit zu finanzieren, schwindet immer mehr. Strategieberatungen benötigen immer mehr Senior Berater, die den Job nicht nur auf Papier bringen, sondern auch erledigen können.

„Die typische Beraterpyramide, bei der nur wenige Experten gut bezahlte Projekte einfädeln und steuern und die Arbeit hauptsächlich von vielen jungen Consultants gemacht wird, kann bei den heutigen Kundenanforderungen nicht überleben“, ist sich Oliver Müller-Marc sicher.

Zudem wirbelt die digitale Transformation, kurz Digitalisierung, fast alle Branchen durcheinander. Die herkömmliche Beratungskonzepten helfen nicht mehr weiter, Kunden fragen nach neuen Typen von Strategieberatern. Die Umsätze in der Management- und Organisationsberatung stagnieren.

Die reine Strategieberatung ist mittlerweile ein gesättigter Markt

„Die reine Strategieberatung ist ein gesättigter Markt, und die Unternehmen verzeichnen nicht mehr die Wachstumsraten von früher“, beobachtet Oliver Müller-Marc, Inhaber und Management Consultant bei der enseGO Beratung in München. „Viele Beratungshäuser müssen sich neu positionieren, zum Spezialanbieter werden und Umsetzungskompetenz aufbauen. Sie müssen sich auf Lösungen-, Fach- oder IT-Themen spezialisieren und sich dort gezielt verstärken.“

Erhebliche Marktverschiebungen sorgen für grundlegende Veränderungen

Die Marktverschiebungen lassen sich selbst bei den großen Strategieberatungen feststellen. So haben z.B. die Management-Consultants von Roland Berger erkannt, dass sie ohne einen starken weltweiten Partner mit Umsetzungskompetenz nicht mehr weiterkommen. Roland Berger wird voraussichtlich bei Deloitte, PricewaterhouseCoopers (PwC) oder Ernst & Young unterschlüpfen.

Als Ergebnis der Neuausrichtung machen sich auf der anderen Seite die großen Spezialanbieter Gedanken, was sie der Neuausrichtung der Strategieberatungen entgegensetzen. Die IT-Consultants von Accenture haben z.B. ein Auge auf die Strategieberater von Booz & Company geworfen, um dem Zugriff der Management-Berater auf ihr IT-Geschäft etwas entgegenzusetzen.

Strategie

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Ausblick Beratungsbranche

Kunden wollen Klasse statt Masse

Große Unternehmen haben ihre internen Abläufe in den vergangenen Jahren zunehmend professionalisiert. Die dortigen Entscheider wollen immer seltener eine hohe Anzahl an Beratern verpflichten. Sie suchen vor allem Experten, die ihnen in neue Kompetenzfelder wie z.B. konkrete Lösungen für modernes Marketing und Vertrieb bieten, wo sie selbst keine Erfahrung haben.

Alles wird schneller, v.a. die notwendigen Veränderungen

Man darf gespannt sein, in wie weit die Neuausrichtung der reinen Strategieberater über die Managementberatung und Organisationsberatung hinaus erfolgreich sein wird. Entscheidend wird sein, welche Strukturen sich in der Beraterbranche mittelfristig etablieren. Mit Spannung werden wir beobachten, wie sich die großen Strategieberater und auch Wirtschaftsprüfer für die digitale Zukunft aufstellen. Und natürlich wie auf der anderen Seite die IT-Beratungshäuser darauf reagieren werden.

Die aktuellen Veränderungen durch die digitale Transformation mit Themen wie z.B. Social Media, Mobility, Big Data und die Datenanalyse erfordert grundsätzlich andere Beraterprofile. Der Veränderungsdruck auf die etablierten Anbieter wird sich weiter erhöhen. Dadurch werden sich die Markt- und Machtverhältnisse im Beratermarkt künftig sehr viel schneller verschieben als bisher.

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2 Antworten auf Reine Strategieberater sind tot. Es lebe die Strategieberatung!

  1. Horst Mayer 28.05.2014 at 14:15 #

    Vielen Dank für den informativen Artikel Oliver. Ich habe ihn verschlungen 🙂

    • Oliver Müller-Marc 28.05.2014 at 14:27 #

      Sehr gerne Horst. Verschlungen? Wow, was für ein schönes Kompliment. Herzlichen Dank dafür!

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