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Zukunft Digitalisierung: Was Deutschland von Estland lernen kann

Die SIM-Karte als Personalausweis nutzen? Das Parlament per Mobiltelefon wählen? Wer mag kann sogar Online heiraten. Was in unseren Ohren nach visionärer Digitalisierung und Zukunftsmusik klingt, ist in Estland bereits lange umgesetzte Realität. Estland, das nördlichste Land des Baltikums, ist in Sachen Digitalisierung und E-Government, der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung, Europas Vorbild. Die Bürger Estlands profitieren gleich mehrfach von der Digitalisierung. Zeitraubende und überflüssige Behördengänge gehören der Vergangenheit an. Estland verfügt über eine hochentwickelte digitale Infrastruktur und ist heute hinsichtlich Digitalisierung nicht nur in Europa das Vorzeigeland. Doch was sind die Gründe für die derart schnelle Digitalisierung und nahezu unglaubliche Erfolgsgeschichte Estlands? Und was kann Deutschland, der Staat als auch Unternehmen, von Estland lernen?

Estlands Erfolgsgeschichte bei der Digitalisierung

Vor weniger als 25 Jahren glich Estland einer Wüste. Technologisch rückständig, politisch nahezu bedeutungslos und wirtschaftlich am Ende. Von Digitalisierung war lange Zeit keine Spur. Heute hingegen ist die baltische Republik mit nur 1.3 Millionen Einwohnern das Land der Welt, in dem die Digitalisierung am weitesten fortgeschritten ist. Kenner verwenden den Begriff „E-Estland“, um den Aufstieg Estlands zu einer weltweit besonders fortschrittlichen Gesellschaft im digitalen Zeitalter zu beschreiben. Das an sich ist nicht nur eine interessante Geschichte, an der Entwicklung Estlands können nicht nur andere Länder, sondern besonders Unternehmen branchenübergreifend, eine Menge lernen.

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Digitalisierung von Unternehmen & Staat

Gründe für die erfolgreiche Digitalisierung

Die positive Veränderung Estlands basiert vor allem auf eine konstruktive Partnerschaft zwischen drei wichtigen Bereichen:

  1. eine visionäre und zukunftsorientierte Regierung
  2. tatkräftige IKT-Unternehmen (IT- und Kommunikationstechnologie) und
  3. der technisch versierten und computerfreudigen Bevölkerung Estlands.

Die sowjetische Herrschaft und der Kommunismus hatte Estland jahrzehntelang gelähmt. Die kleine baltische Republik konnte sich davon zwar im Jahr 1990 befreien, musste jedoch unter denkbar schlechten Bedingungen von vorne anfangen. Und was machen die Bürger in einer Zeit großer Verunsicherung und Herausforderungen, die sonst häufig konservative Kräfte auf den Plan ruft?

Die estnische Bevölkerung bewies Mut und wählte junge und unerfahrenere Politiker, die strategisch Vorgehen und sich sowohl an wirtschaftliche als auch technologische Experimente wagen. Mit großem Erfolg, Estland wurde für diesen Schritt belohnt. Heute erfreuen sich die Bevölkerung, Unternehmen und der estnische Staat über vielfältige Möglichkeiten, wovon die Einwohner in anderen Ländern nur träumen können.

Ob Regierung, Verwaltung, Recht, Bildung oder Gesundheit, alle Aufgaben des öffentlichen Lebens sind digital organisiert und finden hauptsächlich online statt. Und die technikbegeisterten Esten sind auf den Geschmack gekommen. Die Digitalisierung hat ihr Leben erleichtert.

10 beeindruckende Schritte der Digitalisierung

Estland ist innovativ und innovationsfreudig! Das Land meisterte bereits zehn beeindruckende Schritte der Digitalisierung:

1. eID

Die elektronische ID-Karte macht Personalausweis und Unterschrift überflüssig. Es existiert eine landesweite eID-Lösung, die es Bürgerinnen und Bürgern erlaubt, sich an E-Government-Diensten eindeutig zu identifizieren.

2. Online-Services

Durch Online-Services ersparen sich die Bürgerinnen und Bürgern unnötige und zeitaufwendige Behördengänge.

3. Steuerwesen

Es existieren E-Government-Dienste, die Bürgerinnen und Bürgern eine Online-Abwicklung von steuerbezogenen Verfahren erlauben.

4. Einfache E-Steuererklärung

Die E-Steuererklärung macht sich fast von selbst.

5. Unkomplizierte Unternehmensgründungen

Es existieren E-Business-Dienste, welche schnelle und unkomplizierte Unternehmensgründungen ermöglichen.

6. Überall kostenloses WLAN

Schneller Internetzugang durch kostenloses WLAN ist in Estland selbstverständlich. Der Staat hat dafür gesorgt. Überall.

7. E-Payment

Die Esten können alles schnell und einfach bargeldlos mit dem Mobiltelefon bezahlen.

8. Digitale Krankenakte

Die Krankenakte ist digital und für den Patienten und andere Ärzte jederzeit einsehbar.

9. E-School

Eltern wissen tagesaktuell alles über die Schulleistungen ihrer Kinder.

10. Innovationen haben es leicht

Die fortschrittliche Digitalisierung Estlands bietet ein innovationsfreundliches Unternehmensklima. Neben dem Abbau der Bürokratie hat die Digitalisierung für die Bürger und Unternehmer viele Vorteile.

Quo vadis Deutschland?

Wie schaut es mit der Digitalisierung in Deutschland aus?

Für Unternehmen ist die Sache klar: Unternehmen müssen die kommenden Jahre kräftig in den Fortschritt bei Digitalisierung investieren. Je nach Branche manche Unternehmen mehr als andere. An der Digitalisierung führt für alle Unternehmen kein Weg vorbei.

Die Herausforderung für viele Unternehmen ist nicht nur die Digitalisierung an sich, sondern vor allem das Entwickeln neuer und nachhaltig funktionierender Geschäftsmodelle.

Oliver Müller-Marc, geschäftsführender Gesellschafter von enseGO

Und der Staat? Wollen wir in Deutschland in Zukunft dem Vorbild Estlands folgen? Wer schon einmal mehrere Stunden auf einem Amt verbracht hat, z.B. bei der Kfz-Zulassungsstelle, versteht den Wunsch, Zeit zu sparen und unnötige Behördengänge zu vereinfachen.
Oder haben die Enthüllungen von Edward Snowden, die uns in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten Einblicken ließen, zu einer Innovationsbremse bei der notwendigen Digitalisierung im Staatsapparat geführt?

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2 Antworten auf Zukunft Digitalisierung: Was Deutschland von Estland lernen kann

  1. Carsten Frantzen 22.05.2014 at 13:20 #

    Ein großes Hindernis in Deutschland ist sicher der Föderalismus. Jedes Bundesland kocht sein eigenes Süppchen. Wir leisten uns zudem einen zähen Behörden/Beamtenapparat, der viel zu sehr rückwärts schaut, seinen Platz sichert und sich gegen Innovationen sperrt. Es wird der Verlust von Arbeitsplätzen gefürchtet, die Chance neu entstehender Jobs durch Innovationsschübe wird zu wenig gesehen. Stellt sich die Frage wie lange wir uns das noch leisten können bzw. wollen.

    • Oliver Müller-Marc 22.05.2014 at 13:54 #

      Lieber Carsten,
      danke für deinen Kommentar. Besser kann man das nicht ausdrücken. Die Bedenkenträger gewinnen hierzulande viel zu häufig. Und deine Schlußfrage trifft ins Schwarze!

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