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Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit, englisch Sustainability, wird erstmals von Hans Carl von Carlowitz im Jahre 1713 im Zusammenhang mit der nachhaltigen Nutzung der Wälder verwendet, jedoch fehlen hier Ansätze wie dieses zu handhaben ist. 1795 wird der Begriff von Georg Ludwig Hartig implizit definiert, auch wenn der Begriff nicht explizit erwähnt wird. Demnach zielt Nachhaltigkeit zunächst auf die Bewirtschaftungsweise eines Waldes ab. Es darf immer nur so viel Holz entnommen werden, wie nachwachsen kann. Die Regeneration des Waldes soll damit immer gewährleistet sein. Der Begriff wurde dann ins Englische übertragen als ‚Sustained Yield‘ und fand damit Eingang in die internationale Forstwirtschaft. Erst 1972 in einer Studie von Donela und Dennis Meadows über ‚Die Grenzen des Wachstums‘ für den Club of Rome tritt der Begriff Sustainable auf. Die Studie stellt durch ein Rechenmodell, unter Berücksichtigung einiger Trends (Industrialisierung, Bevölkerungswachstum etc.), verschiedene Zukunftsszenarien der Welt dar.

Der Begriff Sustainability wird aber erst 1987 in der englischen Sprache verankert. Den Leitgedanken der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft griff die 1983 von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) auf. Der Auftrag der Kommission lag im Aufzeigen langfristiger und umweltschonender Perspektiven für die Entwicklungspolitik. Der Abschlussbericht ‚Unsere gemeinsame Zukunft‘ aus dem Jahr 1987, welcher als Brundtland-Bericht bekannt wurde, definiert das Konzept der Nachhaltigkeit. Demnach gilt es, die zukünftige Entwicklung so zu gestalten, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Befriedigung der Bedürfnisse zukünftiger Generation zu gefährden.

Dieses Konzept liefert erstmals eine politische Strategie, um bislang getrennte Politikfelder gemeinsam zu thematisieren. Es behandelt Umweltprobleme der Industriestaaten, wie auch Schuldenprobleme der Dritten Welt und versucht eine Lösung dieser Probleme zu liefern. Allgemein beinhaltet Nachhaltigkeit nicht nur die Generationengerechtigkeit, sondern auch die globale Gerechtigkeit. Die Europäische Union erklärt daher die Umweltpolitik im Sinne der Nachhaltigkeit und stellt somit
die Nachhaltigkeit als Leitbild in der Umweltpolitik der EU dar. Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (1992) gilt als Meilenstein für die Integration von Umwelt- und Entwicklungsbestrebungen. Zu den wichtigen Ergebnissen des Erdgipfels werden die Agenda 21, die Rio-Deklaration, die Klimakonvention, Wüstenkonvention und die Biodiversitätskonvention zugerechnet.

Die Agenda 21 verpflichtet die Industrieländer zur Einsparung von Ressourcen und die dritte Weltländer zur Armutsbekämpfung. Die Rio-Deklaration beinhaltet 27 Grundsätze bezüglich Politik, Gesetzgebung, Wirtschaft und Wissenschaft, die die Staaten beachten sollen, um den Schutz der Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten. Die Klimarahmenkonvention soll Störungen des Klimasystems verhindern, die globale Erwärmung verlangsamen und deren Folgen mildern. Die Wüstenkonvention umfasst das Ziel der Verhinderung der Bildung von Wüsten; die Biodiversitätskonvention umfasst die Ziele Schutz der biologischen Vielfalt, nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile, Zugangsregelung und gerechter Ausgleich von Vorteilen, welche aus der Nutzung von Ressourcen entstehen. Während der Konferenz der Vereinten Nationen in Rio de Janeiro über Umwelt und Entwicklung wurde die Kommission für nachhaltige Entwicklung gegründet, die den Umsetzungsprozess der Ergebnisse der Rio de Janeiro-Konferenz überwacht.

Das Drei-Säulen-Modell (Triple Bottom Line) der Nachhaltigkeit geht auf die der Enquete-Kommissionen zurück. Dieses Modell setzt sich aus den drei Komponenten Ökologie, Soziales und Ökonomie zusammen; die Komponenten sind gleichrangig, jedoch schwer zu optimieren, da Zielkonflikte existieren. Die ökologische Fokussierung richtet sich auf den Erhalt der Natur und des Ökosystems für die folgenden Generationen. Unter Soziales fallen die Sicherung der Grundbedürfnisse, Armutsbekämpfung und eine gerechte Verteilung von Ressourcen. Die ökonomische Komponente dient zur Sicherung eines intakten Wirtschaftssystems.

Das Drei-Säulen-Modell wird stark diskutiert. Die Schwäche des Operationalisierens in Verbindung mit der Ableitung von Konsequenzen für die Praxis wird oftmals kritisiert. Zudem wird die Gleichrangigkeit der ökonomischen, ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit beanstandet, da das Ziel der ökologischen Nachhaltigkeit Vorrang genießen müsste. Somit wird angenommen, dass der Schutz der natürlichen Lebensbedingungen die Grundvoraussetzung auch für ökonomische und soziale Stabilität sei.

Dieses Glossar wird laufend aktualisiert. Hier geht es zum Index: Glossar
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