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Sozialkapital

Unter Sozialkapital wird (mit unterschiedlichen Schwerpunkten) die Gesamtheit an Bindungen (Beziehungsverhältnisse bzw. Netzwerke), das Maß an geteiltem Vertrauen, Normen und Werten sowie damit einhergehenden kognitiven Komponenten verstanden. Diese Gesamtheit an sozialen Größen bestimmt die Kooperations- und Koordinationsfähigkeit innerhalb (‚bonding‘) und zwischen (‚bridging‘) Gemeinschaften. Die Gesamtheit der betreffenden sozialen Größen, die auf einer Vielzahl von Ebenen operieren, wird hierbei als Kapital, d.h. als tatsächliche und potentielle Ressourcen, neben anderen Formen des Kapitals (z.B. Naturkapital, ökonomisches Kapital, Humankapital) angesehen. Letztlich könnte man das Maß an individuellem und kollektivem Sozialkapital als Maß an Gemeinschaftsfähigkeit bezeichnen, das in individuelles und kollektives Handeln hineinreicht. Missverständlich werden die Sozialrücklagen bzw.

Sozialrückstellungen, die ein Unternehmen für seine Mitarbeitet bildet (Sozialvermögen bzw. bilanziell ausgewiesenes Sozialkapital) gelegentlich auch als Sozialkapital bezeichnet. Der seit den 1990er Jahren populär gewordene Begriff Sozialkapital ist historisch von einem äußerst heterogenen Begriffsverständnis seitens der wissenschaftlichen Disziplinen und individuellen Betrachtungsweisen der Forschenden geprägt. Der Begriff des Sozialkapitals wurde seit den 1980er-Jahren u.a. von Pierre Bourdieu (1983) geprägt. Auf einer breiteren Basis wurde der Begriff aber erst seit den 1990er Jahren – insbesondere durch die Arbeiten von James Coleman (1990), Robert Putnam (1993; 1995) und Francis Fukuyama (1995) – vor allem in den Sozial-, Politikwissenschaften und den Wirtschaftswissenschaften verwendet und weiter erforscht. Die zugrunde liegenden wissenschaftliche Begriffsverständnisse lässt sich grob in akteursorientierte (Mikro- und Meso-Ebene: Beziehungsnetzwerke) und systemorientierte Zugänge (Makroebene: Kultur) unterscheiden, wobei Grenzen aufgrund des Ineinandergreifens der Faktoren und der gegenseitigen Interdependenzen nicht klar gezogen werden können. Faktoren, die zum individuellen oder kollektiven Sozialkapital beitragen können, sind z.B. strukturelle (Beziehungen) und soziokulturelle Faktoren (Normen, Werte).

Aus wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten wird häufig Vertrauen als Schlüsselzugang zu Sozialkapital verstanden. Hierbei wird unter Vertrauen insbesondere die Erwartung von Kooperationspartnern verstanden, dass sich Andere nicht opportunistisch verhalten. Auf betrieblicher Ebene dominiert die (kontrovers diskutierte) Annahme, dass eine Erhöhung des Sozialkapitals (Normen kooperativen Verhaltens und dem daraus entspringenden Vertrauen) zur Senkung von Transaktionskosten beiträgt, die außerbetrieblich (z.B. mit Zulieferern, Behörden) aber auch innerbetrieblich (z.B. in der Teamarbeit) im Zuge von Kooperationshandlungen anfallen. Bei der wirtschaftlichen Betrachtung von Sozialkapital ist es allerdings wichtig, den Begriff Sozialkapital explizit von dem des Humankapitals abzugrenzen.

[Glossar-Abbinder]

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