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Technikfolgenabschätzung

Die Technikfolgenabschätzung beschäftigt sich mit den Auswirkungen, die technologische Entwicklungen auf die soziale und natürliche Umwelt haben. Sie gliedert sich in die Teilbereiche ‚Technikfolgenforschung‘ und ‚Technikfolgenbewertung‘. Die Technikfolgenforschung ermittelt die Nebenwirkungen, die durch die Nutzung einer Technologie entstehen können, während die Technikfolgenbewertung sich mit den Auswirkungen dieser auf die Umwelt beschäftigt.

Die Bewertung der Folgen erfolgt dabei durch die Betroffenen oder deren Stellvertreter. Zur Ermittlung etwaiger Konsequenzen und Risiken von Technologien bedient sich die Technikfolgenabschätzung, welche als Teilgebiet der Techniksoziologie gilt, verschiedenster interdisziplinärer Fachdisziplinen und Methoden. Eine Analyse der Entwicklungsprozesse vergangener Technologien und gesellschaftlicher Veränderungen und die Befragung von Experten geben, neben der Durchsicht schon vorhandener Publikationen, einen ersten Hinweis darauf, welche Spezialgebiete näher untersucht werden müssen. Bei ausreichender Datenlage können über die Erstellung von Fallstudien oder der Simulation möglicher Szenarien in Computern denkbare zukünftige Verläufe vorgezeichnet werden.

Ein Beispiel für nicht intendierte Folgen von neuen Technologien ist der Luft- und Autoverkehr. Die Emissionen schädigen massiv die Umwelt und ziehen nicht absehbare ökologische Konsequenzen nach sich. Zusätzlich werden Lebensräume verschiedener Tierarten gefährdet oder zerstört, während gleichzeitig wegen der starken Lärmbelästigung Anwohner geschädigt werden, oder das Landschaftsbild durch Lärmschutzwände verändert wird. Besonders im Bereich der Innenstädte wird im Zuge des Straßenbaus, durch die Oberflächenversiegelung der Oberflächenabfluss von Niederschlägen beschleunigt, was zu einer Erhöhung des Hochwasserrisikos führt. Will man Folgen wie diese im Vorfeld abschätzen können, sei es um diese zu verhindern oder aber die mit ihnen einhergehenden Kosten zu internalisieren, kann die Technikfolgenabschätzung als Wissenschaft einen großen Beitrag leisten.

Der Bundestag hat daher zur Verbesserung der Informationsgrundlage im Forschungs- und Technologiesektor 1990 das ‚Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag‘ eingerichtet (www.tab-beimbundestag.de), das seitdem über hundert Berichte verfasst hat. Er folgt damit dem Vorbild des Europäischen Parlamentes, das schon gegen Ende der 1980er Jahre eine Beratungsinstitution, bestehend aus Mitgliedern verschiedener ständiger Ausschüsse des Parlaments, geschaffen hat. Dieses parlamentarische Gremium, das STOA-Panel (‚Scientific and Technological Options Assessment‘) beschäftigt sich mit den ökologischen, sozialen und ökonomischen Folgeerscheinungen der Wissenschafts- und Technikentwicklung.

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